Forderung nach Ausbildungsgarantie

Willi Brase MdB

Willi Brase verwies zu Beginn seiner Rede auf die 320 000 Ausbildungsbewerber in Übergangsmaßnahmen, die 1.5 Millionen jungen Menschen zwischen 19 und 29 Jahren ohne Schul- und Berufsabschluss und die fast 100 000 Jugendlichen zum Stand 31.03.2011, die älter als 19 Jahre sind und immer noch keinen Ausbildungsplatz erhalten haben. Trotz eines Zuwachses an Ausbildungsplätzen habe die Politik die Aufgabe, darauf hinzuweisen, dass noch viel zu tun sei, um jungen Leuten eine vernünftige Zukunftsperspektive zu geben.

Junge Leute, die in einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1550 Euro lebten, unterlägen einem wirtschaftlichen Risiko. Wenn beide Eltern nicht berufstätig seien, gebe es ein soziales Risiko. Wenn kein Elternteil die Hochschulreife oder einen Berufsabschluss habe, bestehe ein Bildungsrisiko. „Die Chancen in der Bildung heute sind extrem davon abhängig, wie dick das Portemonnaie der Eltern ist. Und das ist für eine solche Gesellschaft wie unsere eine Schande“, erklärte Willi Brase.

Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung erkläre, dass Sparen bei der Bildung den Staat Milliarden koste. Wenn es in den nächsten zehn Jahren nicht gelänge, die Anzahl junger Menschen ohne Berufsabschluss zu halbieren, würden wir 15 Milliarden an gesellschaftlichen Folgekosten zu tragen haben. „Allein diese Zahlen sollten uns ermuntern, endlich zu handeln und ein paar Dinge vernünftig nach vorne zu bringen, damit den Jugendlichen ohne Berufsabschluss eine Perspektiv ermöglicht wird“, sagte Willi Brase. Stattdessen kürze die Bundesregierung trotz guter wirtschaftlicher Situation im Eingliederungstitel. Das habe negative Folgen.

Willi Brase stellte in einem 6-Punkte-Programm vor, was aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion erforderlich sei: „Ich glaube, dass das Recht auf Ausbildung – Kein Abschluss ohne Anschluss absolut richtig und notwendig ist: Allen jungen Leuten eine Perspektive geben.“ Außerdem forderte er eine verpflichtende Berufsorientierung für alle Schulen und nicht nur für die sogenannten Risikoschulen. Die Bundesregierung müsse hier endlich gemeinsam mit den Bundesländern Initiativen nach vorne bringen, damit alle Schülerinnen und Schüler von dieser Maßnahme profitierten. Er sprach sich weiter für ein regionales Bildungsmanagement aus, denn Ausbildungsmärkte seien regionale Märkte. Viertens sei es wichtig, Fachkräfte besser auszubilden und den Fachkräftebedarf zu sichern. 60 Millionen für die Perspektive Berufsabschluss sei zu wenig. „Hier muss mehr Geld in die Hand genommen werden und es wäre ein guter und richtiger Weg“, so Willi Brase. Aber auch die Unternehmen müssten ihren Teil beitragen, indem sie ebenso Älteren und Schwächeren einen Ausbildungsplatz anbieten. Die SPD-Bundestagsfraktion sei sechstens der Auffassung, dass das Programm WeGebAU ausgeweitet und verbessert werden müsse.

Am Ende seiner Rede verwies er auf eine Studie des Stern zum deutschen Bildungssystem, nach der ca. siebzig Prozent der Befragten bereit sei, für bessere Bildung höhere Steuern zu akzeptieren und es als richtig empfinde, jungen Leuten eine Ausbildungsgarantie zu geben. Die Befragten hielten es für absolut notwendig, dass sozial Benachteiligte in unserer Gesellschaft aufsteigen könnten. „Und das war einmal ein Merkmal in diesem Land, dass auch Kinder aus Arbeiterfamilien wussten, wenn sie sich etwas anstrengen, dass sie dann eine Chance haben, weiter nach oben zu kommen. Und diese Chance ist nicht mehr für alle gegeben“, sagte Willi Brase.