Trommeln für die Ruhr-Sieg-Strecke

Brase: „ Wir brauchen die Strecke industriepolitisch. Alle drei Länder müssen zusammen Druck machen, das ist ein Pfund in Berlin.

Die Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen nach Siegen und weiter bis Gießen und Frankfurt ist und bleibt ein Diskussions- und Streitobjekt. Gestern hakte die SPD mit geballter Drei-Länder-Präsenz nach: Politiker aus dem Regionalrat, dem Siegener Kreistag, der Altenkirchener SPD sowie drei Experten warben für den Ausbau der Strecke. Zur Erinnerung: Das Bundesverkehrsministerium hat die Strecke aus dem vordringlichen Ausbaubedarf gestrichen, sie also abgestuft. Zurück in diese erste Kategorie, das ist das erklärte Ziel. Das Maß aller Dinge bleibt der Bundesverkehrswegeplan, und der wird 2015 novelliert. Ergo muss jetzt politisch mit allen Mitteln getrommelt werden.
Wolfgang Ewald, Chef der SPD-Fraktion im Regionalrat: „Wir müssen kämpfen, die Machtstrukturen im Bund sind bekannt, das wird ein harter Kampf." Vom Land NRW erwarten die SPD-Politiker, dass man über die Grenzen hinweg agiert und sich zusammen mit Hessen und Rheinland-Pfalz in Berlin für die Strecke engagiert.

Das Land Hessen ist mit von der Partie, wie Volker Sparmann (Mobilitätsbeauftragter des hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums) bekundete: „Wir müssen mehr Tempo kriegen, die Strecke gibt das her." Die DB Netz sei neben dem Berliner Ministerium der Ansprechpartner schlechthin. Sein Rat: Einzelne Maßnahmen sollte man versuchen vorzuziehen, nicht auf den Plan 2015 warten. Sparmann: „Das schafft Zugzwang für weitere Teilmaßnahmen."
Der Güterverkehr auf der Rhein-Strecke sei ein Problem, 80 Prozent Zuwachs werde erwartet. Sparmann: „Wir brauchen Netze. Hessen über Siegen mit dem Ruhrgebiet verbinden, das ist ein Ziel meines Ministeriums. Um das zu erreichen, müssen wir hart dran bleiben in Berlin."
Ein Knackpunkt: das Tunnelprojekt bei Letmathe/Finnentrop. 409 Mill. Euro stehen offiziell in den Planungsunterlagen. Scheinbar zu viel Geld. SPD-MdB Willi Brase: „Deshalb ist die Strecke doch abgestuft worden."
Zum Thema Tunnel gab es noch mehr Infos. Brase erinnerte daran, bereits 1992/93 habe es ein Tunnelgutachten für die Strecke gegeben mit einem kalkulierten Geldaufwand von 600 bis 650 Mill. DM (!!). Brase: „So lange können wir nicht noch einmal warten." Auf allen Kanälen werde versucht, das Projekt zu fördern. Der (rote) Regierungspräsident und der (schwarze) Regionalratsvorsitzende seien ständig in Kontakt mit dem Berliner Ministerium, in Kürze werde es Gespräche in Berlin geben. Die Gewerkschaften bemühten sich, die IHK ebenfalls. „Wir brauchen die Strecke industriepolitisch. Es geht ums Geld. Und wir müssen den Südländern etwas entgegen setzen. Alle drei Länder müssen zusammen Druck machen, das ist ein Pfund in Berlin." Ottmar Haardt, SPD-Mann im Regionalrat, konstatierte, schon jetzt sei die Route Hagen-Siegen-Gießen eine Ausweichstrecke für die Rhein-Schiene. „Jetzt schon rollen nachts wesentlich mehr Güterzüge als vor ein paar Jahren. Wir müssen darauf achten, dass die Strecke nicht kaputt gefahren wird." Investitionen seien unabdingbar.

Der Bundesverkehrswegeplan sei chronisch unterfinanziert, entsprechend hart sei der Kampf um die Finanzen. Wobei aus SPD-Sicht drei Großprojekte das meiste Geld binden: Stuttgart 21, der von der Schweiz geforderte Ausbau der Route Karlsruhe-Basel und das Prestigeprojekt über den Fehmarnsund.

Die Zukunft der Ruhr-Strecke hängt auch mit den Tunnelgrößen zusammen. Großcontainer passen nicht überall hindurch, ihnen gehört aber die Zukunft. 30 Prozent der Güter werden darin bereits transportiert, hieß es gestern. Tendenz steigend. Tunnel aufzuweiten, das ist gar nicht so einfach. Sagt Günter Padt, der ZWS-Geschäftsführer. Er warb dafür, eine zweite Röhre zu bauen (Stichwort Finnentrop). Noch mehr Güter auf die Schiene bringen, das sei ein weiteres Ziel, berichtete Brase. So werde mit großen Unternehmen wie SMS und Dango&Dienenthal gesprochen, ob nicht Schwertransporte wieder von der Straße auf die Schiene zurück verlagert werden könnten.

Siegener Zeitung