„Walter Krämer hat würdigen Ort des Gedenkens verdient“

In der konstituierenden Sitzung des Unterbezirksausschusses (UBA) der Siegen-Wittgensteiner SPD, die jetzt in der Siegerlandhalle stattfand, ging es auch um die bisher fehlgeschlagenen Bemühungen, in der Stadt Siegen eine Straße, einen Platz, eine Brücke o.ä. nach Walter Krämer, der als „Arzt von Buchenwald“ berühmt und von den Nationalsozialisten ermordet wurde, zu benennen.

Erst in der vorigen Woche war im Siegener Rat ein erneuter Versuch, den gebürtigen Siegener Walter Krämer auch in seiner Heimat zu ehren, am Widerstand der CDU und der übrigen Parteien des bürgerlichen Lagers gescheitert. „Wir verurteilen das Verhalten von CDU, FDP und UWG in der Ratssitzung. Walter Krämer hat als ‚Arzt von Buchenwald’ Vorbildliches geleistet. Er hat vielen Mithäftlingen das Leben gerettet und dabei sein eigenes Leben auf äußerst mutige Weise riskiert. Diese menschlichen Verdienste gilt es zu würdigen, unabhängig davon, dass Walter Krämer Kommunist war. Er trägt den Ehrentitel ‚Gerechter unter den Völkern’ – die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Nicht-Juden vergibt. Vor diesem Hintergrund ist es beschämend, dass Walter Krämer in seiner Heimatstadt Siegen bis heute nicht in angemessener Weise geehrt wird“, betonte die stellvertretende SPD-Unterbezirksvorsitzende Tanja Wagener, die zugleich Vorsitzende der Siegener SPD und Ratsmitglied ist.

Dass die Mehrheit der CDU-Fraktion Siegen ihre Haltung im Falle Krämer inzwischen scheinbar überdacht und korrigiert hat, „erstaunt uns, obwohl die Christdemokraten ja neuerdings – und das nicht nur in Siegen – dazu neigen, ihre Positionen in teilweise atemberaubender Geschwindigkeit zu ändern, sofern ihnen dieses opportun erscheint. Dennoch begrüßen wir diesen Sinneswandel natürlich sehr und fordern die Siegener CDU auf, sich jetzt zügig mit den anderen Parteien im Rat der Stadt auf einen würdigen Ort des Gedenkens an Walter Krämer zu verständigen“, unterstrich auch der SPD-Unterbezirksvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Willi Brase.

Tanja Wagener und weitere Diskussionsteilnehmer machten deutlich, dass es sicherlich nicht ausreiche, „irgendeine unbedeutende Sackgasse am Rand der Stadt“ nach Walter Krämer zu benennen. „Es muss vielmehr darum gehen, einen geeigneten Ort in Siegen zu finden, der den beachtlichen Verdiensten, die sich Krämer im KZ Buchenwald erworben hat, angemessen ist“, fügte die stellvertretende SPD-Unterbezirksvorsitzende Tanja Wagener hinzu. Als Alternative zu einem Platz, einer Straße oder einer Brücke wäre es für die Sozialdemokraten auch denkbar, eine Einrichtung, die für Stadt und Region von Bedeutung ist, nach Walter Krämer zu benennen. „Nachdem die Siegener CDU eingelenkt hat, sind nunmehr also gute Ideen gefragt. Und der beste Vorschlag sollte dann einvernehmlich und möglichst zeitnah realisiert werden“, appellierte Willi Brase (MdB) an die politisch Verantwortlichen in Siegen.

Vor der Aussprache hatten die Delegierten den Weidenauer Kreistagsabgeordneten Bernd Dehmel als Vorsitzenden des Unterbezirksausschusses bestätigt. Seine künftigen Stellvertreter sind Hannes Gieseler (Wilnsdorf) und Luiza Licina-Bode (Bad Laasphe).