„Wichtiges Projekt mit Augenmaß vorantreiben“

„Gemeinsam anders“ lautet der Titel eines Films, der am 23. Mai im ARD-Programm ausgestrahlt wird. Der SPD-Gemeindeverband Burbach präsentierte diesen „interessanten Streifen“ jetzt in einer öffentlichen Informationsveranstaltung. Thema des aktuellen Films ist die sogenannte „Inklusion“ – also das gemeinsame Leben von Menschen mit und ohne Behinderung.

Gemeindeverbandsvorsitzender Falk Heinrichs konnte zahlreiche interessierte Gäste im Hotel Windeck in Wasserscheide begrüßen, darunter auch die SPD-Landtagskandidatin Tanja Wagener, die bei der Landtagswahl am 13. Mai im Wahlkreis 126 (Burbach, Neunkirchen, Siegen und Freudenberg) antritt. Falk Heinrichs, der im Nachbarwahlkreis 127 selbst für den Landtag kandidiert, erklärte: „Durch eine UNO-Resolution sind Deutschland und viele andere Länder dazu verpflichtet, in den kommenden Jahren die Voraussetzungen für ein barrierefreies Zusammenleben behinderter und nicht behinderter Menschen zu schaffen. Unsere Schulen und sonstigen öffentlichen Bildungseinrichtungen sind von diesem Prozess in besonderem Maße betroffen. Darüber hinaus gilt das Ziel der Inklusion aber auch für alle anderen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.“

Tanja Wagener sprach von einem „sehr ehrgeizigen Projekt, dem wir uns künftig mit aller Kraft widmen müssen“. Die SPD-Politikerin machte – mit Blick auf den Schulbereich – deutlich, „dass der Inklusion hier natürlich gewisse Grenzen gesetzt sind. So ist eine inklusive Beschulung auch schwerstmehrfachbehinderter Kinder kaum vorstellbar. Neben inklusiven Unterrichtsangeboten an den Regelschulen muss es daher weiterhin auch Förderschulen geben. Das steht außer Frage“, machte Tanja Wagener deutlich. Inklusiver Unterricht sei aus ihrer Sicht aber auch für die nichtbehinderten Kinder wertvoll, da sie durch den täglichen Umgang mit den behinderten Kindern wichtige soziale Kompetenzen erlernen würden. Natürlich dürfe Inklusion nicht zu einer Senkung des Leistungsniveaus an den Regelschulen führen.

Falk Heinrichs ergänzte: „Es wird sicherlich auch Eltern geben, die für ihre von einer Behinderung betroffenen Kinder weiterhin den geschützten Bereich einer Förderschule bevorzugen. Dem wird durch die Vorhaltung entsprechender Bildungsangebote auch in Zukunft Rechnung zu tragen sein. Die Eltern müssen also wählen können.“

Burbachs SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Kasper machte deutlich, „dass Inklusion nicht zum Nulltarif zu haben ist. Bauinvestitionen in einer ganz erheblichen Größenordnung sowie zusätzliche personelle Aufwendungen etwa durch den notwendigen Einsatz sogenannter Schulhelfer an den Regelschulen sind bereits heute absehbar“. Der SPD-Kommunalpolitiker fügte hinzu: „Aufgrund der sehr hohen Kosten, die zu erwarten sind, können Bund, Länder und Kommunen diese Herkulesaufgabe nur gemeinsam bewältigen. Wir erwarten also, dass der Staat die Kommunen insoweit tatkräftig unterstützt.“

Auch Tanja Wagener und Falk Heinrichs warnten vor zu hohen Erwartungen. „Natürlich müssen wir uns in Sachen Inklusion auf das konzentrieren, was nicht nur pädagogisch, sondern auch finanziell machbar ist. Das wird sich, daran besteht kein Zweifel, nicht zuletzt auf das Tempo der Umsetzung auswirken“, meinte Tanja Wagener. „Wichtig ist aber, dass wir jetzt damit beginnen, Inklusion in unserer Gesellschaft Realität werden zu lassen. Dass es sich um einen längerfristigen Prozess handeln wird, steht außer Frage. Dieses wichtige Thema wird uns also noch oft beschäftigen“, betonte SPD-Gemeindeverbandsvorsitzender Falk Heinrichs abschließend.