Ergebnisse und Erkenntnisse

„Allein aufgrund der Altersstruktur wird die SPD dramatisch an Mitgliedern verlieren – es sei denn, es gelingt noch besser, aktuelle Mitglieder zu halten und neue zu gewinnen.“ Mit Spannung lauschten am Samstag die Vertreter des SPD-Unterbezirksparteitags in der Weidenauer Bismarckhalle den Ausführungen von Dr. Nicolai Dose.

Der Professor der Universität Duisburg-Essen hatte gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Anna-Kathrin Fischer eine Mitgliederbefragung im Unterbezirk gestartet, deren Ergebnisse er jetzt vortrug und zugleich Schlussfolgerungen daraus zog. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund. Etliche Erkenntnisse dürften in modifizierter Form vermutlich auch auf andere Parteien und Gruppierungen übertragbar sein.
Der Erhebungszeitraum erstreckte sich von Dezember 2011 bis Ende Januar dieses Jahres. Die Rücklaufquote betrug 36,9 Prozent.

Allein aufgrund der Sterbefälle werde sich die Mitgliederzahl der SPD bundesweit bis zum Jahr 2036 halbieren, prognostizierte Nicolai Dose – wobei Siegen-Wittgenstein ein klein wenig besser dastehen werde. Im Augenblick liege der Altersdurchschnitt bei 57 Jahren. 41,8 Prozent der Befragten haben der Studie zufolge schon einmal über einen Parteiaustritt nachgedacht. Natürlich spielten vermeintliche Fehlentscheidungen in politischen Fragen eine Rolle. Daneben aber waren einige nicht einverstanden mit der Art und Weise von Ämterbesetzungen. Andere beklagten eine zu geringe Einflussmöglichkeit auf Entscheidungen oder hatten das Gefühl, mit dem eigenen Engagement nichts zu bewirken. Auch eine Abkopplung der Entscheidungsträger von der Basis wurde kritisiert. Auf Ortsvereins-Ebene spielten Ärger mit Partei-„Freunden“, Klüngeleien und fehlender Respekt im Umgang miteinander eine Rolle.

Um attraktiv zu bleiben und die Zahl der Rücktritte in Grenzen zu halten bzw. die der Eintritte zu erhöhen, gab der Professor den Genossen einige Ratschläge mit auf den Weg. Wichtig etwa seien Offenheit und Transparenz. Altgenossen sollten sich nicht abschotten. Machtorientierung dürfe keine Triebfeder sein. Neu- und Jungmitgliedern müsse die Partei eine Chance geben – auch in verantwortungsvollen Positionen. Das Ernstnehmen aller Mitglieder und ein respektvoller Umgang miteinander seien unumgänglich. Es müsse Raum da sein für intensive inhaltliche Auseinandersetzungen und für Themen, die den Menschen auf den Nägeln brennen.
Der Umfrage-Auswertung schloss sich eine lebhafte Diskussion an.