„Gute Arbeit schaffen“

Wenn Bundestagsabgeordneter Willi Brase die heimischen Pressevertreter zum traditionellen Frühstück zwischen den Jahren in sein Wahlkreisbüro einlädt, rückt das politische Berlin so nah an das Siegerland wie sonst nie im Jahr.

Die wirtschaftliche Situation in Siegen-Wittgenstein, die demografische Entwicklung und ihre Folgen, infrastrukturelle Projekte wie die Südumgehung Kreuztal, der Kampf gegen Rechtsextremismus und ein Blick aus 23 Jahre Regionalvorsitz im Deutschen Gewerkschafts-Bund waren jetzt die Themen zwischen Käsebrötchen und Kaffeekännchen. Und natürlich auch ein bisschen Wahlkampf, denn in nicht einmal mehr neun Monaten bewirbt sich der 61-Jährige erneut als SPD-Direktkandidat für ein Mandat im Deutschen Bundestag.

Steinbrucks „klarer Weg"

Froh sei er, dass Kanzlerkandidat Steinbrück deutlich gemacht habe, ausschließlich für eine rot-grüne Koalition zur Verfügung zu stehen. Das mache die Wähler-Mobilisierung – auch vor Ort – leichter als in der Ära Steinmeier, der sich bewusst die Türen zu allen Seiten offengehalten hatte. Die kalte Schulter zeigt der Littfelder der FDP, die aus seiner Sicht aktuell „überflüssig ist im politischen Spektrum“, nicht erst seit ihr Bundesvorsitzender Philipp Röster sich über die Weihnachtstage erneut gegen die Einführung von Mindestlöhnen ausgesprochen habe.

Mit einem Blick auf die Region beobachtet der Bundestagsabgeordnete vor allem eine uneinheitliche Entwicklung im abgelaufenen Jahr: „Die Auftragslagen sind unterschiedlich geprägt, von einer sehr guten bis äußerst schwachen Situation ist auszugehen.“ Hinzu komme die Finanzkrise und ihre Auswirkungen, die jetzt auch Südwestfalen erreichten.

Region verliert zehn Prozent

Dringenden Handlungsbedarf sieht Brase aber nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Situation, sondern vor allem bedingt durch die demografische Entwicklung des Siegerlandes, das bis 2030 knapp zehn Prozent ihrer Bevölkerung verlieren wird. „Wir müssen die Abwanderung junger Leute verhindern. Wo gute Arbeit angeboten wird, entstehen Perspektiven für die Menschen, für junge Familien.“ Eine gute Infrastruktur, ausreichend Gewerbeflächen, genügend Kitaplätze, gute Bildungsangebote und bezahlbare Wohnungen seien wichtige Bedingungen dafür – und natürlich die Einführung von Mindestlöhnen, „denn mit Niedriglöhnen bringt man niemanden dazu, in der Region zu bleiben.“

Zu den Infrastrukturprojekten zählt Brase unter anderem die Südumgehung Kreuztal und die Erschließung und Anbindung des Gewerbegebietes Seelbach/Oberschelden an die Autobahn A45 als richtungsweisend an. Aber gerade hier macht das stellvertretende Mitglied im Verkehrsausschuss nur vage Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung. „Auf der politischen Ebene wird die Notwendigkeit des Gewerbegebiets gesehen; auf der Arbeitsebene ist man da eher skeptisch, weil eine Anbindung über die Tank- und Rastanlage einen bundesweiten Präzedenzfall schaffen könnte. Auch für die von der heimischen Industrie vehement geforderte Sanierung der Ruhr-Sieg-Bahntrasse sieht Willi Brase derzeit eher schlechte Karten. „Das Problem ist, dass das Verkehrsministerium chronisch unterfinanziert ist."

„Andere Prioritäten"

Großprojekte wie Stuttgart 21 und der unterfinanzierte Flughafen Berlin-International ließen die Chancen für verhältnismäßig kleine Projekte nicht gerade steigen, zumal die Region mit dem sechsstreifigen Ausbau und den Brückensanierungen auf der Sauerlandlinie bereits ein „ordentliches Päckchen“ für den Bundesverkehrswegeplan 2015 geschnürt habe. Sollte seine Partei nach der kommenden Wahl, für die sich der 22. September, herauskristallisiert, die Regierung stellen, wolle er sich für eine Stärkung des „Transitlandes Nordrhein-Westfalen“ im Bund einsetzen.

-Siegerlandkurier-