150 Jahre Soziale Demokratie

Weidenau. Die SPD, eine der ältesten und traditionsreichsten Parteien Deutschlands, wird 150 Jahre alt. Als Geburtsstunde gilt der 23. Mai 1863, als damals Delegierte aus elf Orten in Leipzig zusammen kamen und den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein gründeten. Ferdinand Lassalle wurde der erste Vorsitzende.

Kein Wunder, dass auch die Siegener Sozialdemokraten den 150. Geburtstag feierten. Tanja Wagener (MdL), die SPD-Stadtverbandsvorsitzende, und der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Weidenau, Reiner Lorenz, konnten jetzt Dr. Christian Krell in der Bismarckhalle begrüßen, der einen spannenden Vortrag über die Geschichte der Partei hielt. Krell leitet die Akademie für Soziale Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Der lokalen Sozialdemokratie in Siegen war er lange Jahre eng verbunden. Hervorzuheben ist dabei seine Arbeit als Vorsitzender des Juso-Unterbezirksvorstandes von 1997 bis 2000, die Mitarbeit im Unterbezirksvorstand und die Neugründung der Juso-Hochschulgruppe der Universität Siegen.

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, aber die Ehre nicht“

Da aber die Geschichte der Sozialdemokraten und der Partei so komplex ist, konzentrierte sich Krell auf die wegweisenden Kernpunkte. Von der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins über die ersten Maiveranstaltungen im Jahr 1880 bis hin zu dem sozialdemokratischen Milieu der Zwanziger Jahre. Eine damals junge Demokratie mit einem bunten Leben und die Gründungszeit der deutschen Republik. Als der Originalton der Rede gegen das Ermächtigungsgesetz von Otto Wels vor dem Reichstag im Jahr 1933 eingespielt wurde, waren alle Zuhörer sehr andächtig. Mit den berühmten Worten von Otto Wels, „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, aber die Ehre nicht“, stimmte die SPD als einzige Fraktion im Reichstag gegen das Gesetz. Es folgten die Jahre der Verfolgung, das Verbot und Exil der Sozialdemokraten in den folgenden Jahren bis 1945.

Nach dem Krieg folgte der zügige Wiederaufbau der Sozialdemokratie mit Persönlichkeiten wie Kurt Schumacher, Willi Brandt und Herbert Wehner. Es begann der soziale Fortschritt und es wurden neue Wege gesucht. Der Beginn der sozial-liberalen Ära der 70er Jahre. In der jüngsten Vergangenheit der SPD stand die moderne Sozialdemokratie zwischen Ernüchterung und Erneuerung.

Krell schloss seinen Vortrag mit den Worten von Friedrich Ebert aus dem Jahr 1918: „Wenn die deutsche Republik leben soll, bedarf sie der Arbeit. Sozialismus ist Arbeit.“ Auch die moderne Sozialdemokratie braucht engagierte Menschen, so Krell abschließend. Es folgte eine lebhafte Diskussion über Zukunftsfragen und Herausforderungen, denen sich die Sozialdemokraten stellen werden.

Die Vorsitzende des SPD Stadtverbandes Siegen, Tanja Wagener, bedankte sich anschließend bei Dr. Christian Krell für den lebhaften Vortrag. „Auf die Geschichte unserer Partei können wir stolz sein. Das gilt insbesondere für den sozialdemokratischen Widerstand gegen das Naziregime“, hob die SPD-Landtagsabgeordnete hervor. Auch in der heutigen Zeit gelte es, dem Rechtsextremismus entschlossen entgegenzutreten und Einhalt zu gebieten.