Fachkräfte vor Ort qualifizieren

Es gibt viel zu tun in der Beruflichen Bildung – so lautete das Fazit der Fachrunde zur Beruflichen Bildung, zu der die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis in die Handwerkskammer Ulm geladen hatte. Der Bildungsexperte der SPD-Bundestagsfraktion Willi Brase diskutierte mit Berufsschullehrern und Vertretern der Bildungsträger, wie der Fachkräftemangel entschärft und Jugendliche in der Ausbildung gestärkt werden können.

Willi Brase forderte eine stärkere Berufsorientierung an allen Schulen einschließlich der Gymnasien sowie mehr ausbildungsaktive Unternehmen und eine Eindämmung des Mangels an Berufsschullehrern. Für eine bessere Sachausstattung an den Schulen regte er eine finanzielle Beteiligung des Bundes an. "2,2 Millionen junge Erwachsene ohne Berufsabschluss sind eine Blamage für unsere Bildungsrepublik", unterstrich der Bildungsexperte.

"Wie kann es uns gelingen, die Lücke zwischen offenen Ausbildungsstellen und unversorgten Bewerbern zu schließen?", fragte Stefan Häusele, Abteilungsleiter der Jugendberufshilfe im institut fakt.ori Ulm. Als Hauptproblem für die Ausweitung des Übergangsbereiches zwischen Schule und Ausbildung identifizierte er den "Förderflickenteppich" aus europäischen Mitteln, Landes- und Bundesmitteln, der aus einer kurzfristigen, projektorientierten Vergabepraxis resultiere. Willi Brase regte hier ein regionales Fördermittelmanagement an, in dem alle Gelder in einen Topf fließen und die Partner vor Ort gemeinsam über die Verwendung entscheiden.

"Bildung und soziale Gerechtigkeit hängen sehr eng zusammen", betonten Hilde Mattheis und Willi Brase. Letzterer verstärkte die Aussage mit "Für uns als SPD ist Berufliche Bildung ein zentrales Anliegen". Damit trafen sie den Nerv der Berufsschullehrer. Lothar Beck, Leiter der Valckenburgschule und Karl Seifert, Leiter der Kaufmännischen Schule Ehingen, beklagten die mangelnde Wertschätzung der Beruflichen Bildung in der öffentlichen Wahrnehmung. "Wir benötigen dringend Fachkräfte, sonst bricht uns die Versorgung in der Region zusammen", warnte Lorenz Schulte, Leiter der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule. Diese müssten vor allem im Bereich der Dualen Ausbildung qualifiziert werden, betonte Willi Brase: "Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, wir brauchen auch Indianer."