Fast ein Heimspiel für Steinmeier

Fast ein Heimspiel für Steinmeier
Kreuztal. Frank Walter Steinmeier gastierte am Dienstag zu einer Wahlkampfveranstaltung in Kreuztal. Er griff Angela Merkel scharf an.
kalle – Irgendwie war es am Dienstag für den Fraktionsvorsitzenden der SPD im Deutschen Bundestag, Frank Walter Steinmeier, wie ein Heimspiel auf dem "Roten Platz" in Kreuztal. Der 57-Jährige, der enge familiäre Bindungen ins politisch "schwarze" Johannland pflegt (von dort stammt seine Frau Elke Büdenbender), konnte sich beim Wahlkampftermin des heimischen SPD-Abgeordneten Willi Brase eines beifallsfreudigen Publikums in der zweitgrößten Kommune des Kreises sicher sein. Immerhin waren es rund 350 Besucher, die sich in der Stadtmitte bei kühlen Getränken und Bratwürsten eingefunden hatten. Vorab spielte die Siegener Band "Wir, die Giganten" und sang dabei "Doch ich will zu Dir zurück". Was mancher der Genossen sicher auch im Rahmen einer großen Koalition in Berlin auf der realen Wunschliste nach dem 22. September stehen hat.

Ganz in Rot
Die Kreuztaler SPD hatte auf dem "Roten Platz" alles so vorbereitet, dass sich der Spitzengenosse aus Zehlendorf wie unter Freunden fühlen konnte. Rote Tischdecken, 500 rote Rosen, die verteilt wurden, der SPD-Bundestagsabgeordnete Willi Brase im roten Shirt und in roter Lederjacke, der Blumenstrauß für den Gastredner mit roten Schleifen, und selbst der fliegende Eisverkäufer, der sich einen guten Platz ausgesucht hatte, verkaufte, wie hätte es anders sein können, rotes Erdbeereis.

45 Gipfel im Kanzleramt
Nach der Begrüßung durch Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß und einer kurzen, aber auf den Punkt gebrachten Rede von Brase machte Frank Walter Steinmeier das, wozu er den gestrigen Tag in Südwestfalen geplant hatte: Wahlkampf. Und neben Bundeskanzlerin Angela Merkel knöpfte sich der Fraktionsvorsitzende und ehemalige Außenminister gleich das gesamte "Kabinett der Kuriositäten" vor. Steinmeier: "Merkel hat in den letzten Jahren insgesamt zu 45 Gipfeln ins Kanzleramt eingeladen. Die Themen reichten vom Elektroauto bis zur Kinderkrippe. Doch entschieden hat sie eben nichts." Jeder einzelne Minister bekam ebenfalls sein Fett weg.

"Merkel hat sich ins gemachte Nest gesetzt"
Er erinnerte aber auch daran, dass viele Weichenstellungen zum aktuell guten wirtschaftlichen Stand des Landes in Europa unter der SPD geleistet worden seien. Der Fraktionsvorsitzende: "Merkel hat sich ins gemachte Nest gesetzt." Er sprach von einem offenen Rennen am 22. September. "Umfragen interessieren mich nicht und das Politbarometer entscheidet keine Wahlen. Gehen Sie zur Wahl", rief er den Besuchern zu. Bevor er sich ins Wahlkampfgetümmel warf, hatte er noch in kleiner Runde mit Mitarbeitern der Arbeiterwohlfahrt und der Diakonie über die aktuellen Probleme des Pflegepersonals genau zugehört.

-Siegener Zeitung-