SPD beschäftigte sich mit dem Thema ‚Gewalt gegen Frauen’

Kreis Siegen-Wittgenstein. Der 1978 gegründete Verein „Frauen helfen Frauen“ bemüht sich seit 35 Jahren darum, im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein konkrete Hilfsangebote für gewaltbetroffene Frauen aufzubauen und anzubieten. In seiner Regie stehen das Siegener Frauenhaus (seit 1982), die Frauenberatungsstelle und der Notruf für vergewaltigte Frauen. „Rund 25 Prozent aller Frauen in Deutschland sind in ihrem Leben zumindest einmal von häuslicher Gewalt betroffen. Frauen sind zu Hause stärker gefährdet als im öffentlichen Raum“, berichteten Ingrid Kurzeja und Susanne Stötzel, beide Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle Siegen, jetzt den Mitgliedern der SPD-Kreistagsfaktion.

Fraktionsvorsitzender Michael Sittler lobte die Aktivitäten des Vereins und betonte: „Die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ist eine wichtige Querschnittsaufgabe, der sich Politik, Gesellschaft, Polizei, Justiz und Medizin gleichermaßen stellen müssen.“ Rechtspolitisch sei das vor über 10 Jahren unter der damaligen rot-grünen Bundesregierung verabschiedete Gewaltschutzgesetz ein großer Fortschritt gewesen, meinte Sittler. Nach diesem Gesetz ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, gewalttätige Ehemänner aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen.

Auch Ingrid Kurzeja und ihre Kollegin Susanne Stötzel lobten das Gewaltschutzgesetz, machten aber zugleich deutlich, dass sich die Frequentierung der Frauenhäuser dadurch nicht verringert habe. Im Siegener Frauenhaus, dessen Adresse unbekannt ist, finden jederzeit 25 von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder vorübergehend ein Dach über dem Kopf sowie professionelle Betreuung und Beratung. Die Verweildauer sei unterschiedlich lang, so Ingrid Kurzeja. Zur Frauenberatungsstelle führte Kurzeja aus, dass diese pro Jahr etwa 600 psycho-soziale Beratungen durchführe. Die Themen der Beratung reichten von Gewalt über Beziehungsprobleme bis hin zu Ess- und psychischen Störungen. In die Frauenberatungsstelle integriert sei der ‚Notruf für vergewaltigte Frauen’, der Opfern sexualisierter Gewalt zur Verfügung stehe. „Dort melden sich sowohl Frauen, die akut von einer Vergewaltigung betroffen sind, als auch Frauen, die in ihrer Kindheit oder Jugend derartige Erfahrungen machen mussten“, erläuterte Ingrid Kurzeja.

In den drei Fachbereichen des Vereins gibt es insgesamt 6 vom Land NRW geförderte Stellen. Davon entfallen 4 auf das Frauenhaus, 1,5 auf die Beratungsstelle und eine halbe auf den Notruf. Ergänzt wird dies durch eine kommunale Beteiligung an der Finanzierung sowie durch den Einsatz auch von Eigenmitteln des Vereins. „Das liegt daran, dass es sich bei unseren Aktivitäten nicht um eine gesetzliche Pflichtaufgabe handelt“, stellten Susanne Stötzel und Ingrid Kurzeja klar. Beide Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle verwiesen auf eine gute Zusammenarbeit insbesondere auch mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Die wichtige Vernetzung aller, die in unserer Region mit dem Thema ‚Gewalt gegen Frauen’ beschäftigt seien, mache insgesamt gute Fortschritte. SPD-Fraktionschef Michael Sittler bezeichnete das als erfreulich. „Nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten kann das gemeinsame Ziel, die von Gewalt betroffenen Frau zu stabilisieren, erreicht werden“, ist sich der SPD-Politiker sicher.

Susanne Stötzel berichtete zudem über das vom Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW (Sitz in Bochum) derzeit initiierte und wissenschaftlich begleitete Projekt „Medizinische Intervention gegen Gewalt – Gewinn Gesundheit“. Die Frauenberatungsstelle nimmt – neben vier weiteren ausgewählten Regionen in NRW – für den Kreis Siegen-Wittgenstein daran teil. Es zielt ganz speziell auf eine bessere Vernetzung der Hilfsangebote für gewaltbetroffene Frauen mit dem medizinischen Bereich. „Ärzte sind vielfach die ersten und wichtigsten Ansprechpartner, nachdem Frauen Opfer häuslicher oder sexualisierter Gewalt geworden sind. Das Projekt zielt nicht zuletzt darauf, den Medizinern und Medizinerinnen eine entsprechende Fortbildung zuteil werden zu lassen“, erläuterte Stötzel. Ziel sei, dass sich aus jeder kreisangehörigen Gemeinde zumindest ein niedergelassener Arzt beteiligt. Bis auf Bad Laasphe, Hilchenbach und Wilnsdorf sei dies auch bereits gelungen. „Die SPD-Kreistagsfraktion fordert die Ärztinnen und Ärzte auch in diesen drei Kommunen unseres Kreisgebietes auf, sich an diesem wichtigen und sinnvollen Projekt zu beteiligen“, appellierte Michael Sittler an die Mediziner. Ingrid Kurzeja und Susanne Stötzel betonten abschließend, „dass die Türen noch offen sind“. Eine dauerhafte und noch engere Zusammenarbeit als bisher solle übrigens nicht nur mit den niedergelassenen, sondern zu einem späteren Zeitpunkt auch mit Klinikärzten und Hebammen etabliert werden.