Tanja Wagener (MdL) zu Gast in der Pestalozzischule

Siegen. Die aktuellen politischen Entwicklungen im Bereich der sonderpädagogischen Förderung waren jetzt Gesprächsgegenstand bei einem Besuch der SPD-Landtagsabgeordneten Tanja Wagener in der Pestalozzischule, einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ auf dem Siegener Lindenberg. Gesprächspartner der Landtagsabgeordneten waren Schulleiter Egon Bernshausen und seine Stellvertreterin Alexandra Berg sowie Mitglieder des Lehrerkollegiums, der Elternpflegschaft und der Schülervertretung.

Tanja Wagener machte deutlich, dass mit der aktuellen Änderung des Schulrechts und der neuen Verordnung über die Mindestgrößen von Schulen nicht die Förderschulen abgeschafft werden sollen, sondern eine inklusive Beschulung in den allgemeinbildenden Schulen durch gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern ermöglicht werden soll. „Ziel der Landesregierung ist, den Eltern ein echtes Wahlrecht zu geben, ob ihre Kinder in einer Regelschule oder in einer Förderschule unterrichtet werden“, so die SPD-Abgeordnete.

Dieses Ziel werde von den Vertretern der Pestalozzischule grundsätzlich unterstützt. „Inklusion kann jedoch nur dann gelingen, wenn ausreichend finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung stehen. Dies sehe ich momentan nicht“, brachte Schulleiter Bernshausen die Bedenken der Schulgemeinschaft auf den Punkt. Zuerst müssten die Voraussetzungen für eine gute individuelle Förderung flächendeckend erfüllt sein, bevor eine Systemumstellung bei der Beschulung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf erfolgen könne. Die manchmal vertretene Einschätzung, dass der Besuch der Regelschule derzeit für das Leben junger Menschen generell eine ebenso gute oder gar umfassendere gesellschaftliche Teilhabe bewirke wie der Besuch der Förderschule, teilten Wageners Gesprächspartner aus ihrer Erfahrung heraus nicht.

Weiteres Gesprächsthema war die Abordnung von Förderschullehrer/innen an Regelschulen. Derzeit sind rund 25 Lehrerinnen und Lehrer der Pestalozzischule für den gemeinsamen Unterricht an anderen Schulen abgeordnet. Die Zusammenarbeit von Sonderpädagogen und Regelschullehrkräften sei nicht immer unproblematisch, da wegen der sehr unterschiedlichen Arbeitsweise der verschiedenen Schulformen vieles erst aufeinander abgestimmt werden müsse. Zudem werden bei der entsendenden Schule Lücken im Lehrplan aufgerissen, wenn kein adäquater Ersatz zur Verfügung gestellt wird. Tanja Wagener sagte zu, diese Problematik mit nach Düsseldorf zu nehmen und mit den Experten der SPD-Landtagsfraktion im Ausschuss für Schule und Weiterbildung zu besprechen, in dem sie stellvertretendes Mitglied ist.

Bei einem anschließenden Rundgang durch das Schulgebäude konnte sich Wagener von der engagierten und fachlich fundierten Arbeit des Kollegiums der Pestalozzischule überzeugen. „Besonders imponiert hat mir, dass eine Lehrerin ihr eigenes Pferd für ein Reitangebot zur Verfügung stellt, durch das die Motorik der Schülerinnen und Schüler verbessert wird. Aber auch die Arbeit des Schulsozialpädagogen ist beeindruckend, der mit den Kindern und Jugendlichen ein eigenes kleines Holzhaus gebaut hat.“

Abschließend wurden noch die Werkräume besichtigt, in denen u.a. kleine und große Kunstwerke im Rahmen des Landesförderprogramms „Kultur und Schule“ in Zusammenarbeit mit einem lokalen Künstler entstehen.