„Fachärzte für die Region zu gewinnen ist oft schwierig“

Die Landtagsabgeordnete Tanja Wagener (r.) besuchte die DRK-Kinderklinik in Siegen. Ihre Gesprächspartner waren (v.l.n.r.): Oberarzt Wolfgang E. Boehm, Leiter der Pädiatrischen Intensivmedizin, Bärbel Hasebrock, Fachleitung Pflege Intensivstation, Stefani

Siegen. Bei einem Besuch der DRK-Kinderklinik in Siegen informierte sich die SPD-Landtagsabgeordnete Tanja Wagener jetzt über die vielfältigen stationären und auch ambulanten Behandlungsangebote für Kinder und Jugendliche. „Hier sind alle Leistungen und auch die Rahmenbedingungen speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt“, betonte Tanja Wagener im Gespräch mit Geschäftsführerin Stefanie Wied, dem neuen Ärztlichen Direktor, Prof. Dr. Manfred Ballmann, Pressesprecher Arnd Dickel und weiteren Vertretern der Klinik. Die SPD-Landtagsabgeordnete fügte hinzu: „Für mich steht außer Frage, dass unsere Region im Dreiländereck NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz das kinder- und jugendspezifische medizinische Angebot, das hier vorgehalten wird, auch in Zukunft dringend benötigt.“

Geschäftsführerin Stefanie Wied berichtete, dass sich die Geschäftslage der Klinik inzwischen wieder gebessert habe. Probleme bereite der Kinderklinik aber weiterhin das auf Fallpauschalen basierende Vergütungssystem. Auch der Umstand, dass das Perinatalzentrum (Level 1) über zwei Standorte – an der Kinderklinik selbst sowie am Jung-Stilling-Krankenhaus – verfügt, wirke sich aufgrund des höheren Personalbedarfs natürlich ungünstig auf die Kostenbilanz aus.

In diesem Zusammenhang verwies Stefanie Wied ferner auf höhere Qualitätsstandards, die in personeller Hinsicht ab 2017 für neonatologische Intensivstationen gelten sollen. „Diese Veränderungen sind für uns mit jährlichen Mehrkosten in Höhe von rund 2,6 Mio. Euro verbunden. Systembedingt wird es erst nach einer zweijährigen Zeitverzögerung zu einer Refinanzierung dieses höheren Aufwands durch eine entsprechende Anpassung der Fallpauschalen kommen“, so Wied. Festgelegt werden solche Qualitätsstandards durch den sogenannten Gemeinsamen Bundesausschuss, der bislang nicht gezwungen sei, auch die finanziellen Auswirkungen derartiger Entscheidungen mit zu berücksichtigen.

Unabhängig von der Finanzierung werde es auch schwierig sein, zu gewährleisten, dass rechtzeitig entsprechend qualifiziertes Pflegepersonal in ausreichender Zahl zur Verfügung stehe. Wied bedauerte, dass es überhaupt oft mit erheblichen Problemen verbunden sei, qualifiziertes medizinisches Fachpersonal für den Gesundheitsstandort Siegen-Wittgenstein zu gewinnen. Das zeige sich nicht zuletzt bei der Besetzung vakanter Facharztstellen. Dazu erklärte Tanja Wagener (MdL): „Ähnliche Probleme hat auch die Industrie in unserer Region. Mit deren attraktiven Seiten und Vorzügen müssen wir künftig noch viel offensiver als bisher um ansiedlungsbereite Menschen und Familien werben.“

Einer der sogenannten „weichen“ Standortfaktoren, die unsere Region attraktiv machen, sei übrigens die Kinderklinik selbst, fügte Wagener hinzu. „Für junge Familien ist es durchaus von Bedeutung, dass hier vor Ort optimale Behandlungsmöglichkeiten für ernsthaft erkrankte Kinder und Jugendliche bestehen“, so die SPD-Politikern. Die 700 Mitarbeiter der Klinik versorgen pro Jahr rund 6.000 stationäre sowie 50.000 ambulante Patienten. Tanja Wagener lobte abschließend, dass die Klinik mit ihrem Medizinischen Versorgungszentrum, das auch in Freudenberg über eine kinder- und jugendärztliche Praxis als Zweigstelle verfügt, „im ambulanten Bereich zunehmend Lücken schließt“. Diese Versorgungsengpässe entstehen dadurch, dass niedergelassene Kinderärzte ihre Praxen aus Altersgründen nicht selten aufgeben müssen, ohne einen geeigneten Nachfolger gefunden zu haben.