Offene Diskussion über aktuelle schulpolitische Themen

Hilchenbach. Auf Initiative des heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Falk Heinrichs, der zugleich dem Stiftskuratorium angehört, besuchte die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion NRW, Renate Hendricks, jetzt das Gymnasium Stift Keppel. Gesprächspartner der beiden SPD-Politiker waren Schulleiter Dr. Jochen Dietrich, sein Stellvertreter Dr. Elmar Winkel, weitere Vertreter des Lehrerkollegiums und der Verwaltungsleiter des Stifts, Karl-Otto Schmidt.

Im Mittelpunkt standen aktuelle schulpolitische Themen. Dr. Jochen Dietrich berichtete, dass für das neue Schuljahr 2015/16 insgesamt 69 Kinder für die Jahrgangsstufe 5 angemeldet worden sind. Gegen den demographischen Trend ist die Anmeldezahl damit noch stabil – lediglich ein Kind weniger als 2014. Die Gesprächspartner waren sich jedoch einig, dass die auf längere Sicht sinkenden Schülerzahlen gerade im ländlichen Raum eine möglichst enge interkommunale Zusammenarbeit erfordern. Renate Hendricks und Falk Heinrichs erklärten übereinstimmend: „Das Kirchturmdenken muss überwunden werden. Nicht jede Kommune wird weiterhin alles anbieten können. Es kommt vielmehr darauf an, dass das schulische Gesamtangebot einer Region umfassend und von guter Qualität ist.“

Ausführlich diskutiert wurden die bisherigen Erfahrungen bei der Inklusion. Am Gymnasium Stift Keppel gibt es bisher nur wenige betroffene Kinder. Die anfänglichen Erfahrungen seien recht unterschiedlich, berichteten die anwesenden Pädagogen. Nicht unerhebliche Schwierigkeiten habe etwa die Beschulung eines autistischen Jugendlichen bereitet, trotz enger und aufwändiger Kooperation der Schule mit Experten, Therapeuten, Schulbegleitern und Familie. Grundsätzlich benötigten Schulen und Eltern „mehr Hilfe und Unterstützung“, forderten die Kollegen unisono.

Renate Hendricks (MdL), schulpolitische Sprecherin der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag, wies darauf hin, dass es inzwischen entsprechende Fortbildungsangebote auch für die Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien gibt. „Dass es hier zu Verzögerungen gekommen ist, lag daran, dass der Hauptpersonalrat der Gymnasiallehrer zunächst Bedenken geltend gemacht hatte“, erläuterte Hendricks. Sie empfahl den Kollegen, diese Fortbildungsangebote jetzt konsequent zu nutzen. Alle Gesprächsteilnehmer sahen die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Qualifikation und Eignung der Integrationshelfer, die Kinder mit Behinderung während des Unterrichts begleiten, beschäftigen zu müssen. Individuelle Förderung für alle bedeute aber auch, dass normal- und hochbegabte Schülerinnen und Schüler in den Klassen ebenfalls eine weiterhin angemessene und adäquate Förderung erfahren.

„Wir stehen bei der Inklusion erst am Anfang eines langen Prozesses. Erfahrungen müssen daher sorgfältig ausgewertet werden und alle Beteiligten daraus lernen. Inklusion ist nach meiner Überzeugung nicht nur mit Risiken, sondern vor allem auch mit Chancen für beide Seiten verbunden“, unterstrich Falk Heinrichs (MdL). Renate Hendricks ergänzte: „Es gibt in NRW bereits Gymnasien, die über Erfahrungen mit der Inklusion verfügen. Es wäre vielleicht hilfreich, sich das vor Ort einmal anzuschauen und/oder sich auszutauschen.“

Weiteres Gesprächsthema war die Berufsorientierung. Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist bekanntlich Referenzkommune im Rahmen der Landesinitiative ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ (KAoA). Jörg Danger, Studien- und Berufswahlkoordinator am Gymnasium Stift Keppel, forderte eine Flexibilisierung der aktuellen Regeln. Berufsfelderkundungstage und die Erstellung einer individuellen Potenzialanalyse seien für Gymnasiasten bereits in der 8. Klasse nicht grundsätzlich erforderlich, so der Lehrer. Auch mache eine sogenannte ‚Anschlussvereinbarung‘, die bisher mit jedem Schüler getroffen werden muss, nicht in allen Fällen Sinn. Renate Hendricks (SPD-MdL) betonte, dass sich auch dieses System noch in der Evaluation befinde. Auch aus ihrer Sicht müsse es Spielraum für Korrekturen geben, sofern diese dem Ziel des Programms und damit den Schülerinnen und Schülern nutzen, stellten Hendricks und Heinrichs fest.