SPD-Kreistagsfraktion fordert die Einrichtung spezieller Klassen

Kreis Siegen-Wittgenstein. An einigen Berufskollegs in den großen Ballungszentren Nordrhein-Westfalens gibt es bereits sogenannte „Internationale Förderklassen“. Es handelt sich um spezifische Seiteneinsteigerklassen für jugendliche Asylbewerber und sonstige Migranten ab einem Alter von 16 Jahren. Wichtige Ziele sind der Spracherwerb, die Verbesserung der Allgemeinbildung, der Erwerb beruflicher Grundkenntnisse sowie kulturspezifischer Kompetenzen. Die jungen Migranten sollen in die Lage versetzt werden, nach dem Besuch einer solchen Klasse weiterführende Bildungsgänge zu besuchen oder mit einer Berufsausbildung bzw. -tätigkeit zu beginnen.

Die SPD-Kreistagsfraktion befürwortet die Einrichtung Internationaler Förderklassen oder ähnlicher Bildungsgänge auch an den vier Berufskollegs des Kreises Siegen-Wittgenstein zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Thomas Hartmann, SPD-Kreistagsabgeordneter und zugleich Studiendirektor am Siegener Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung, erklärte dazu: „Wenn wir den betroffenen Jugendlichen einen solches Angebot machen, tragen wir damit ihrem Wunsch Rechnung, die eigenen Lebenschancen durch eine qualifizierte berufliche Bildung zu erhöhen. Außerdem würde so ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Integration dieses wachsenden Personenkreises geleistet.“

Inzwischen hat die SPD-Kreistagsfaktion einen Antrag mit entsprechender Zielsetzung für die nächsten Sitzungen des Schul- sowie des Kreisausschusses und des Kreistags (im Juni) auf den Weg gebracht. „Wir halten zunächst eine Bedarfsabfrage über das Schulamt des Kreises bzw. die kommunalen Jugendämter unserer Region für notwendig. Außerdem soll die Kreisverwaltung den zuständigen politischen Gremien einen Sachstandsbericht über ihre diesbezüglichen Planungen und Überlegungen vorlegen“, erläuterte der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Michael Sittler. Als Schulträger der Berufskollegs in Siegen und Bad Berleburg trage der Kreis Siegen-Wittgenstein hier eine besondere Verantwortung.

Sittler und Hartmann machten deutlich, dass bei der Einrichtung derartiger Klassen „natürlich auch zielführende Kooperationen der verschiedenen Berufskollegs – mit Austausch von Lehrkräften und/oder lernortübergreifendem Unterricht – vorstellbar sind“. Fraktionschef Michael Sittler fügte hinzu: „Wir sehen hier insbesondere auch für das Berufskolleg Wittgenstein eine zusätzliche Chance, sein Schulprofil weiter zu schärfen.“ Dass das Bad Berleburger Berufskolleg als Bündelschule alle drei Fachrichtungen – Technik, Wirtschaft und Verwaltung sowie Hauswirtschaft und Soziales – umfasse, sei von Vorteil für die Bildung entsprechender Orientierungs- und Eingliederungsklassen zur Ausbildungs- bzw. Berufsvorbereitung jugendlicher Migranten mit besonderem Förderbedarf.

Thomas Hartmann unterstrich abschließend, dass ein weiterer wichtiger Schwerpunkt sogenannter Internationaler Förderklassen in der besonderen psychosozialen Betreuung der jungen Menschen liege. Dazu benötigten die Berufskollegs jeweils einen Partner, der über das entsprechende Know-how verfügt. „Ideal wäre es, wenn die sozialpädagogischen Fachkräfte vor Ort am jeweiligen Berufskolleg angesiedelt werden könnten, damit sie dort direkt agieren und reagieren können“, heißt es dazu im Antrag der SPD-Kreistagsfraktion.