„Offenheit und Akzeptanz für die jeweils andere Kultur wichtig für friedliches Zusammenleben“

Tanja Wagener (r.) mit dem Imam (l.) der Selimiye Moschee und dem Moscheeführer Önder Sahin (m.) im Gebetsraum der Selimiye Moschee in Geisweid.

Siegen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Tanja Wagener besuchte jetzt die Selimiye-Moschee in Geisweid der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Siegen e.V., die dem Dachverband Ditib angehört. Durch die Moschee geführt wurde sie von dem ausgebildeten Moscheeführer Önder Sahin und dem Imam der Gemeinde. Dabei wurden ihr der Gebetsraum gezeigt, Grundsätze des islamischen Glaubens erläutert und die Angebote der islamischen Gemeinde vorgestellt.

„Ich habe mich gefreut, die Selimiye-Moschee kennen lernen und an dem Mittagsgebet der Gemeinde beiwohnen zu dürfen. Für diese Gelegenheit möchte ich mich herzlich bedanken. Offenheit und Akzeptanz für die jeweilige andere Kultur sind notwendig, um ein gutes Zusammenleben der Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und verschiedenem Glauben in unserer Stadt zu ermöglichen“, warb Tanja Wagener um gegenseitiges Verständnis. „Dazu hat dieser Besuch aus meiner Sicht beigetragen. Ich habe viel Neues über die islamische Gemeinde in Siegen erfahren und meine Kenntnisse über den islamischen Glauben vertiefen können.“

Auf die Gräueltaten, die der sogenannte Islamische Staat (IS) in Syrien und im Irak verübt, von der SPD-Landtagsabgeordneten angesprochen bezog Sahin deutlich Stellung: „Das, was wir im Alltag vorleben und in unserer Moschee predigen, hat nichts mit den Aktivitäten des IS gemeinsam. Diejenigen, die auf grausamste Weise andere Menschen im Namen des Islams töten und misshandeln, sind eigentlich keine Muslime, denn sie handeln nicht nach dem Koran. Auch einen heiligen Krieg kennt der Koran nicht. Der Begriff „Dschihad“, der fälschlicherweise mit „heiligem Krieg“ übersetzt wird, bedeutet wörtlich „Anstrengung auf dem Wege Gottes“, d. h. unsere täglichen Gebete, unser Fasten, kurz ein Leben als gläubiger Muslim nach den Vorschriften Gottes und nach dem Vorbild des Propheten, das ist unser Dschihad und nichts anderes. In Sure 5:32 sagt Gott sinngemäß: Wer einen Menschen tötet, wird so behandelt, als habe er die Menschheit insgesamt getötet.“

„Ich finde es gut, dass sie sich so deutlich positionieren und öffentlich Stellung beziehen. Dies würde ich mir von noch viel mehr Vertretern des islamischen Glaubens wünschen. Häufig wird das Schweigen zu diesen Grausamkeiten als klammheimliche Zustimmung ausgelegt, obwohl meistens das Gegenteil der Fall ist“, lobte die Landtagsabgeordnete die klaren Worte der Vertreter der Selimiye-Moschee.

In Siegen leben rund 7000-8000 Muslime. Die Selimiye-Moschee ist mit Abstand die Größte in Siegen. Ihr Einzugsbereich reicht von Kreuztal-Buschhütten bis nach Rheinland-Pfalz. Sie ist sowohl mit anderen Moscheen als auch im Siegener Stadtteil Geisweid gut vernetzt. Die Mitglieder der Selimiye-Moschee engagieren sich in der Flüchtlingsbetreuung und arbeiten mit Schulen, Kirchen, Kindergärten sowie der Polizei vertrauensvoll zusammen. Der Imam besucht regelmäßig die muslimischen Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Attendorn.

„Gerade Letzteres freut mich als Mitglied der Vollzugskommission des Landtags besonders, denn hier würde ich mir landesweit noch mehr Engagement der muslimischen Geistlichen wünschen. In vielen Fällen kann ein solches Angebot in den Justizvollzugsanstalten in NRW leider nicht angeboten werden“, so Tanja Wagener abschließend.