Schüler_Innen in Afrika – Blick auf Asylsuchende hat sich verändert

Acht Schüler_Innen des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung waren zu Besuch in Ghana. Zurück kamen sie mit einer Menge Erfahrungen und einem ganz anderen Blick auf das Leben in Deutschland.
Es sind ganz einfache Dinge, die wir in unserem alltäglichen Leben als selbstverständlich erachten: Fließendes Wasser, Strom, saubere Lebensmittel oder einfach die Möglichkeit zur Schule gehen zu können. Schüler_Innen des Berufkollegs Wirtschaft und Verwaltung aus Siegen durften vor einigen Wochen erfahren, was es heißt, auf unseren hohen Lebensstandard zu verzichten. Sie verbrachten den Oktober in Tema, einer kleinen Hafenstadt im afrikanischen Ghana. Zurück kamen sie mit einer Menge Erfahrungen und einem ganz anderen Blick auf das Leben in Deutschland.
Die Erfahrungen, die die Gruppe in Ghana gesammelt hat, wollten sie mit Willi Brase, dem heimischen SPD-Bundestagsabgeordneter teilen und luden ihn in ihre Klasse ein. Bei seinem Besuch berichteten die Schüler_Innen dem Abgeordneten von ihren Erlebnissen. „Wir leben, verglichen mit dem Rest der Welt, im puren Luxus“, erzählt Daniel Heinz während seiner Präsentation

Die deutschen Gäste gaben sogar selbst Unterricht. So sprachen sie mit den Schülern der achten und neunten Klasse über das Bildungssystem in Deutschland, brachten ihnen Lieder und ein wenig Deutsch bei. „Als ich ihnen berichtet habe, dass unsere staatlichen Universitäten kostenlos, unsere Klassen klein und – durch das duale Ausbildungssystem – wir wenig Jugendarbeitslose haben, haben sie mich mit ganz großen Augen angeschaut. Sie haben mich dann gefragt, ob sie nach Deutschland kommen dürfen, um hier zu lernen“, sagt Daniel. „Durch solche Momente versteht man, dass Menschen nicht nur vor Krieg, sondern auch vor wirtschaftlichen und sozialen Missständen fliehen“.
Willi Brase, bis 2012 DGB-Regionsvorsitzender Südwestfalen und seit 2013 Vorsitzender des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement im Deutschen Bundestag, lobte den Einsatz der Schüler_Innen ausdrücklich. „Die Menschen wandern nach Norden für Brot und Wasser – wir müssen ihnen helfen und die Hilfe zur Selbsthilfe anders organisieren“, so der Bundestagsabgeordnete.
Die Schüler_Innen diskutierten mit Willi Brase über die möglichen Ursachen für die Verhältnisse in Afrika und am Ende der Veranstaltung erhielt der ehemalige Gewerkschaftssekretär großen Applaus für seine Schlussworte:„ Wir brauchen ein anderes Verständnis für Wirtschaft – eine Win-win-Situation für beide Seite“.

„Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man nicht selber dort war“, sagt Daniel. „Die Menschen da haben so wenig, aber teilen trotzdem noch miteinander.“