Interpretation der IHK-Umfrageergebnisse fragwürdig

Die Interpretation der Ergebnisse der „Blitzumfrage“ der IHK zum Azubiticket verwundert den Fraktionsvorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion Michael Sittler. Laut Pressemitteilung der IHK befürworten die Betriebe das Azubiticket mit 66% mehrheitlich. Soweit die harten Fakten. Die Ablehnung des Tickets wird allerdings mit dem „Glauben“ begründet, dass die Azubis das Ticket nicht nutzen werden.

Dem entgegen stehen die Ergebnisse der SINUS-Jugendstudie vom April 2016. Dort wird „die Sicht der Jugendlichen auf die Gestaltung ihrer Mobilität“ als „eher pragmatisch geprägt“ bezeichnet, „ und zwar unabhängig von ihrer jeweiligen Lebenswelt. Der ÖPNV wird deshalb vor allem unter den Aspekten Preis und Verfügbarkeit oft als ideales Verkehrsmittel bewertet.“ „Aus dem Glaspalast der IHK auf der Koblenzer Straße werden Unterstellungen gestreut, die einer Überprüfung nicht standhalten“, so Michael Sittler dazu. Bezeichnend sei hingegen, dass sich lediglich 30 Prozent der befragten Betriebe an den Kosten des Tickets beteiligen wollten.

Sittler wertet dies als Zeichen, dass die öffentliche Hand mal wieder die Zeche zahlen solle. Hier werde verkannt welches Alleinstellungsmerkmal mit der Einführung des Azubiticktes der Kreis erlangen könne. Dies werde auch den heimischen Betrieben in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels die Suche nach Auszubildenden deutlich erleichtern.

Die Aussage von 22 Prozent der Befragten Unternehmen, wonach die Ausbildungsvergütungen ausreichend und daher eine Beteiligung der Betriebe an den Kosten nicht notwendig sei, zweifelt Sittler stark an. „Ein Auszubildender im Friseurhandwerk, der von Wittgenstein nach Siegen zum Berufskolleg fährt muss für das derzeitige Azubiticket rund ein Viertel seines Einkommens aufwenden.“
Das geplante Azubiticket werde deutlich unter 30€ im Monat liegen und entlastet damit auch die Betriebe, die sich schon jetzt an den Beförderungskosten ihrer Auszubildenden beteiligen.

Michael Sittler erinnerte daran, dass auch die Kreishandwerkerschaft Südwestfalen eine Umfrage bei ihren Mitgliedsbetrieben zum Azubiticket durchführe, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen.
„Wir werden jetzt den Ball aufnehmen und alles daransetzen ein neuartiges Modell zu erarbeiten, welches ein kostengünstiges Azubiticket unter finanzieller Beteiligung der Betriebe, der Verkehrsgemeinschaft, des Kreises und der Auszubildenden ermöglichen wird“, so Sittler weiter. Er halte die Umfrageergebnisse für ermutigend. „Darauf können wir aufbauen.“

SINUS-Jugendstudie