„Medizinisches Angebot muss in dieser Qualität und Form weitergeführt werden können“

Landtagspräsidentin Carina Gödecke (2.v.l.) und Tanja Wagener (2.v.r.) zu Besuch in der Kinderklinik Siegen.

Siegen. Läuft alles nach Plan, werden am Standort der DRK-Kinderklinik in Siegen schon bald drei neue Projekte in Angriff genommen: Schon im Herbst soll der Bau des künftigen gemeinsamen Ausbildungszentrums für das Pflegepersonal der Kinderklinik, des Kreisklinikums und des St. Marien-Krankenhauses beginnen, zudem soll eine vierzügige neue Kindertagesstätte entstehen und ein neues Gebäude für die geplante stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie errichtet werden. Über diese anstehenden Vorhaben berichteten Geschäftsführerin Stefanie Wied, Chefarzt Dr. Gebhard Buchal sowie einige ihrer Kolleginnen und Kollegen Landtagspräsidentin Carina Gödecke, die die Kinderklinik jetzt gemeinsam mit Tanja Wagener (SPD-MdL) besuchte. Die Abgeordnete hatte diesen Besuch angeregt.

„Mit dem Aufbau einer stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie schließen wir eine wichtige Versorgungslücke in unserer Region“, betonte Stefanie Wied und fügte hinzu: „Wir hoffen, dass auch eine stationäre psychiatrische Behandlung für 18- bis 25-jährige ermöglicht wird.“ Bezüglich dieser Altersgruppe stehe eine positive Entscheidung der Kostenträger noch aus. Tanja Wagener erwähnte, dass heute die nächste entsprechende Behandlungsmöglichkeit im hessischen Herborn besteht, und erklärte: „Auch aus meiner Sicht besteht hier erheblicher Handlungsbedarf.“

Nach einem Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen der Kinderklinik sprach Landtagspräsidentin Carina Gödecke von einer „hervorragenden medizinischen und auch gesellschaftlichen Arbeit, die hier mit großer Empathie und einer erstaunlichen Ruhe geleistet wird“. Es stehe außer Frage, dass Kindermedizin besonders personalintensiv sei. Dem müsse im Rahmen der Finanzierungssysteme Rechnung getragen werden. „Wichtig ist, dass das kinder- und jugendspezifische medizinische Angebot, das den Familien hier zur Verfügung steht, auf Dauer in dieser Qualität und Form weitergeführt werden kann“, unterstrich Gödecke.

Stefanie Wied bestätigte, dass die heute im Bereich der Krankenhäuser übliche Abrechnung über sogenannte Fallpauschalen für ihr Haus mit Problemen verbunden sei. Das liege u.a. daran, dass die Fallzahlen im stationären Bereich bei einer Kinderklinik geringer seien als an normalen Krankenhäusern. So behandele die DRK-Kinderklinik pro Jahr „nur“ rund 5.500 Kinder und Jugendliche stationär, während sich die Zahl der lediglich ambulant behandelten jungen Patientinnen und Patienten auf rund 50.000 belaufe.

Als „nicht auskömmlich“ bezeichnete Wied auch die Investitionskostenförderung durch das Land. „Davon sind alle Krankenhäuser in unserer Region betroffen, die Kinderklinik jedoch in besonderem Maße.“ Tanja Wagener und Carina Gödecke stellten klar, dass auch aus ihrer Sicht bei der Förderung von Investitionen in die Krankenhausinfrastruktur (Gebäude und technische Ausstattung) Handlungs- und Verbesserungsbedarf besteht. Der gegenwärtige Investitionsstau in den Kliniken müsse aufgelöst werden.

Zur Sprache kam ferner, dass das Perinatalzentrum der Kinderklinik heute an zwei Standorten (an der Kinderklinik selbst und am Jung-Stilling-Krankenhaus) betrieben wird, was mit erheblichen Mehrkosten vor allem auch in personeller Hinsicht verbunden sei. Stefanie Wied und ihre Kollegen warben dafür, die Geburtshilfe und das Perinatalzentrum künftig am Standort der Kinderklinik zu konzentrieren.

Weitere Gesprächsthemen waren die vom Bundesgesetzgeber geplante Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung (Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege), die von der Kinderklinik sehr kritisch gesehen wird, und die Zusammenarbeit der Klinik mit den Jugendämtern, wenn der Verdacht einer Kindesmisshandlung oder eines sexuellen Missbrauchs besteht. „In diesen Fällen sind wir stets bemüht, eine Lösung im Interesse der Familien zu finden. Eine In-Obhutnahme der betroffenen Kinder ist eher die Ausnahme“, so Chefarzt Dr. Gebhard Buchal. Die Erfahrungen mit den beteiligten Jugendämtern seien insoweit unterschiedlich, ergänzte Stefanie Wied abschließend.