Landtagspräsidentin: „Hier wird wichtige Erinnerungsarbeit geleistet“

Traute Fries, Tanja Wagener, Carina Gödecke und Klaus Dietermann (v.l.n.r.) im Aktiven Museum Südwestfalen.

Siegen. Klaus Dietermann, 1. Vorsitzender des Vereins Aktives Museum Südwestfalen (AMS), Schatzmeisterin Traute Fries und weitere aktive Vereinsmitglieder konnten jetzt NRW-Landtagspräsidentin Carina Gödecke in der Gedenkstätte am Siegener Obergraben begrüßen. Begleitet wurde die SPD-Politikerin von der Landtagsabgeordneten Tanja Wagener, die den Besuch angeregt und vermittelt hatte.

Klaus Dietermann führte die Landtagspräsidentin durch das Museum und berichtete ihr über die inzwischen 20-jährige Geschichte dieses außerschulischen Lern- und Erinnerungsortes. Das AMS ist eine von neun ehrenamtlich geführten Gedenkstätten dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Schicksal der in Siegen und Umgebung lebenden jüdischen Menschen während der NS-Diktatur. „Seit einer Erweiterung im Jahr 2001 haben wir auch andere Opfergruppen des Regimes mit in den Blick genommen“, erläuterte Dietermann. Tanja Wagener und Traute Fries fügten hinzu: „Dies ist nicht irgendein Bunker, sondern ein authentischer Ort. Bis November 1938 war dies der Standort der Synagoge und damit das Zentrum jüdischen Lebens in Siegen.“

Landtagspräsidentin Carina Gödecke zeigte sich beeindruckt und erklärte: „Hier wird eine sehr wichtige Erinnerungsarbeit geleistet – und das auf rein ehrenamtlicher Basis. Dafür möchte ich allen, die sich hier in vorbildlicher Weise engagieren, meinen herzlichen Dank aussprechen.“ Lern- und Gedenkorte wie das AMS sind der Landtagspräsidentin, wie sie betonte, „ein ganz besonderes Anliegen“.

Die aktuelle politische Entwicklung zeige, dass rechtsextremes und rassistisches Gedankengut bei uns in Deutschland und anderswo wieder verstärkt anzutreffen sei. „Gerade vor diesem Hintergrund ist es gut, dass es Orte wie diesen gibt, wo vor allem auch jungen Menschen – anhand konkreter Schicksale aus der eigenen Region – vor Augen geführt wird, welch grausame Folgen die menschenverachtende Gewaltherrschaft der Nazis hatte“, lobte Carina Gödecke die pädagogische Zielsetzung des Aktiven Museums Südwestfalen.

Die Landtagspräsidentin war erfreut zu erfahren, dass das AMS demnächst eine nochmalige Erweiterung um die obere Etage des ehemaligen Luftschutzbunkers erfahren wird. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich im April 2017 beginnen. „Das Land wird dieses Vorhaben mit 420.000 Euro aus Städtebaufördermitteln unterstützen, die restlichen 30 Prozent der entstehenden Kosten teilen sich die Stadt Siegen und der Kreis Siegen-Wittgenstein“, erläuterte Tanja Wagener (MdL).

Den laufenden jährlichen Finanzbedarf des AMS bezifferte Klaus Dietermann mit rund 10.000 Euro, die Jahr für Jahr erkämpft werden müssten. Einnahmequellen seien etwa Spenden überwiegend aus dem Kreis der Vereinsmitglieder oder auch Bußgelder, die das Gericht bestimmten Straftätern auferlege und von diesen an das Museum zu zahlen seien. Schulklassen zahlen für eine Führung 50 Euro, die von den Vereinsmitgliedern, die die Führung übernehmen, aber wieder an den Förderverein gespendet werden. Stadt und Kreis seien, soweit es um finanzielle Unterstützung gehe, bisher eher zurückhaltend, so Dietermann.

Carina Gödecke deutete an, dass sie demnächst mit der NRW-Stiftung und der Landeszentrale für politische Bildung darüber sprechen werde, ob sich durch ein gemeinsames Programm dieser beiden Institutionen zur Förderung historischer Lern- und Erinnerungsorte künftig bessere finanzielle Rahmenbedingungen für diese wichtige Arbeit schaffen lassen. Die Gesprächspartner waren sich angesichts der bevorstehenden Vergrößerung des Aktiven Museums einig, dass zumindest auf längere Sicht auch über die Beschäftigung einer hauptberuflichen Kraft nachgedacht werden müsse. Dieses wünschenswerte Ziel sei aber nur in Zusammenarbeit mit den Kommunen erreichbar.