Tanja Wagener: „Wünsche mir mehr Einrichtungen wie diese in der Region“

Tanja Wagener (2.v.r.) wurde von den WG-Bewohnern und Christian Schnepper (l.), dem Leiter des Lebenshilfe Centers Siegen, in der neuen Wohngemeinschaft für behinderte Menschen in Burbach begrüßt.

Burbach. Viel gelacht wurde beim Besuch der SPD-Landtagsabgeordneten Tanja Wagener in der neuen Wohngemeinschaft der Lebenshilfe in Burbach. Seit Anfang dieses Jahres wohnen hier sieben Menschen mit geistiger Behinderung unter einem Dach zusammen. „Das Besondere hieran ist, dass die Bewohner hier Mieter auf dem freien Wohnungsmarkt sind, wie in einer ganz normalen WG. Dieses Haus ist somit nicht vergleichbar mit den stationären Einrichtungen, in denen Menschen mit einer geistigen Behinderung sonst vollumfassend betreut werden“, erläuterte Christian Schnepper, Leiter des Lebenshilfe Centers Siegen, der SPD-Landtagsabgeordneten.

Tanja Wagener bedankte sich für die Einladung und erkundigte sich nach dem typischen Tagesablauf der Bewohnerinnen und Bewohner. Fast alle arbeiten in einer Werkstatt der AWO und kehren nach der Arbeit in die WG zurück. Hier werden sie durch den Hintergrunddienst, der mit einer Person auch nachts vor Ort ist, in ihrem Alltag unterstützt. Zusätzlich werden individuelle Hilfen – angepasst an die jeweiligen persönlichen Bedürfnisse der behinderten Menschen – von qualifizierten Fachkräften angeboten. Zeit zum gemeinsamen Kochen, geselliges Spielen und für andere Freizeitaktivitäten bleibt auch noch. „Ich sehe, wie gut es euch hier gefällt und wie toll ihr hier zusammen lebt und euch gegenseitig unterstützt“, ließ sich Wagener von der Lebensfreude der WG-Bewohner anstecken. In Kürze ist auch ein gemeinsamer Urlaub geplant, der über das Reiseprogramm „Schöne Zeiten“ der Lebenshilfe organisiert wird, das sich auf Reisen für Menschen mit Behinderung spezialisiert hat.

Tanja Wagener teilte die Einschätzung von Christian Schnepper, dass es im Siegerland eine Unterversorgung an stationären Plätzen für behinderte Menschen gibt: „Im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der für die Behindertenhilfe zuständig ist, gibt es zwar insgesamt genügend Plätze. Diese werden jedoch überwiegend außerhalb des Siegerlandes vorgehalten. Ich würde mir mehr Betreuungseinrichtungen wie diese hier in der Region wünschen, damit eine ortsnahe Versorgung sichergestellt wird.“

Kritisch zur Sprache kam auch der Entwurf des neuen Bundesteilhabegesetzes. „Der Gesetzentwurf sieht eine Finanzierung für ein Wohnprojekt wie dieses nicht mehr vor. Ob diese WG weitergeführt werden kann, wenn der Gesetzentwurf unverändert verabschiedet werden sollte, ist daher sehr fraglich“, verdeutlichte Schnepper die Befürchtungen der WG-Bewohner. Tanja Wagener verwies hierzu auf Zuständigkeit des Bundestages, sicherte aber ihre Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu.

Zum Abschluss des Besuches in Burbach musizierte Wagener, selbst passionierte Musikerin, gemeinsam mit einem WG-Bewohner, der ihre Leidenschaft für die Musik teilt.