Pflegestärkungsgesetz zeigt in der Praxis noch Schwächen auf

Im vergangenen Jahr hatte sich die SPD-Kreistagsfraktion mit den beiden Heimleitern der Diakonie Frau Braukmann und Herrn Quast zwei Fachleute zur Erläuterung des damals aktuell in Kraft getretenen Pflegestärkungsgesetztes in die Fraktion geholt. Beide erhofften sich einen Bürokratieabbau und weitere Verbesserungen im Bereich der häuslichen und stationären Pflege. Um zu erfahren, wie sich die Pflegesituation nach rund einem Jahr tatsächlich weiterentwickelt hat stattete eine Fraktionsdelegation dem von Frau Braukmann geführten Fliedner-Heim nun einen Folgebesuch ab.

Bernd Spornhauer, Geschäftsführer Seniorenheime der Diakonie, berichtete, dass im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes II eine stärkere Inanspruchnahme im Bereich der ambulanten Pflege zu verzeichnen sei. Positiv sei auch, dass nun auch Demenz und andere psychische Probleme bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit mit berücksichtigt würden. Auch sei tatsächlich ein leichter Bürokratieabbau zu verzeichnen. Leider deckten sich aber die Beurteilungskriterien der neuen Pflegegrade nicht mit dem tatsächlichen Pflegeaufwand. So werde z.B. ein bettlägeriger Bewohner in einem höheren Pflegegrad eingestuft als ein „mobiler“, aber unselbständiger Patient, benötige aber weniger Pflegeaufwand als der „mobile“ Bewohner, der mit hohem Personalaufwand möglichst wieder selbständiger gemacht werde. Dies führe dazu, dass in Zeiten von Belegungen mit vielen Bewohnern in niedrigen Pflegegraden der Personalschlüssel geringer sei, der Pflegeaufwand aber tatsächlich höher. Personalplanung sei so zum einen schwierig und von Monat zu Monat wechselnd und die Belastung des Pflegepersonals durch die nicht ausreichenden Pflegezeiten sehr hoch, sowohl körperlich als auch psychisch. Dies führe dazu, dass es immer schwieriger sei qualifiziertes Pflegepersonal zu finden. Hier müsse der Betreuungsschlüssel verbessert werden. Der sei Ländersache und in Nordrhein-Westfalen vergleichsweise ungünstig.

Leider liege bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit der Fokus immer noch auf der Unselbständigkeit und nicht auf der Selbständigkeit. Die Bemühungen der Heime mit aktivierender Pflege werden so konterkariert.