Die Digitalisierung klug gestalten

Thorsten Schäfer-Gümbel zu Gast in Siegen

Der SPD Unterbezirk Siegen-Wittgenstein hatte am vergangenen Montag zur Veranstaltung „Keine Angst vor der Revolution! Chancen und Risiken der Digitalisierung in Europa“ in die gut besuchte Aula das Lyz eingeladen.

Zahlreiche interessierte Genossinnen und Genossen und Nichtparteimitglieder hatten sich an diesem Abend zusammengefunden, um dem Gespräch zwischen Thorsten Schäfer-Gümbel (stellv. Parteivorsitzender der SPD im Bund) und Steffen Löhr (Huckepack-Kandidat der SPD in Siegen-Wittgenstein) zu folgen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Niklas Zankowski.

Schnell wurde klar, dass die Digitalisierung eine Entwicklung ist, die vielen Bürgerinnen und Bürgern völlig zu Recht Sorge bereitet. Die sich aber nicht aufhalten lässt und auch Chancen bietet, wenn u.a. auch die Politik den Wandel klug gestaltet.

Thorsten Schäfer-Gümbel, als auch Steffen Löhr zeigten durch klare Aussagen auf, in welchen Bereichen die technologische Entwicklung unseren Arbeitsmarkt, das Bildungswesen und den Sozialstaat verändert oder noch verändern wird.

„Wir wollen aus technischem Fortschritt sozialen Fortschritt machen! Die Chancen erkennen, auch für die Arbeitswelt, heißt ja nicht, Entwicklungen laufen zu lassen, die schädlich sind oder einseitig den Arbeitgebern dienen. Die SPD ist 1863 gegründet worden, um die Industrialisierung zu gestalten. Wir wollten technologische Veränderungen immer zum Wohle für alle gestalten, sie nicht ignorieren. Das Gleiche gilt nun für die Digitalisierung“ so Thorsten Schäfer Gümbel.

Wer verstehen will, wieso im Augenblick so viel los ist in der Welt, kommt nicht umhin, auf zwei Entwicklungen zu blicken, die sich gerade gleichzeitig vollziehen: die Globalisierung mit ihren grenzüberschreitenden Auswirkungen, die die Wirtschafts- und Arbeitswelt massiv modifizieren und jene Veränderungen, die so unzulänglich mit dem Wort Digitalisierung beschrieben werden. Während sich die Globalisierung bereits seit zwei Jahrzehnten vollzieht, ist die Digitalisierung eine jüngere Entwicklung, mit der sich insbesondere die Bildungspolitik beschäftigen muss.

„Egal ob Kreide oder Tablet: Es geht darum, dass wir massive Investitionen in Bildung brauchen, damit die Schüler modernsten Unterricht bekommen, strategisches Denken lernen, Methodenkompetenz haben, um sich weiterzubilden. Das braucht es doch in der digitalen Welt. Nicht jeder muss ein Programmierer werden oder eine IT-Spezialistin, dennoch müssen Schüler das Rüstzeug für die Arbeitsgesellschaft des 21. Jahrhunderts mit auf den Weg bekommen“ stellte Steffen Löhr klar.

Die Digitalisierung verändert unsere Lebens- und Arbeitswelt immer rasanter. Die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben weicht auf – was unsere Vorstellungen von Arbeitszeit herausfordert. Berufe, die heute noch Anerkennung und Auskommen sichern, werden sich in absehbarer Zukunft dadurch stark verändern, was sich auch auf Auskommen und Anerkennung auswirken kann

Wenn wir vom Wandel durch die sozialdigitale Revolution sprechen, denken wir häufig zuerst an Themen wie Arbeit, Bildung und Demokratie. Was dabei jedoch oft zu kurz kommt, „sind die ethischen Fragen, die sich stellen und bei denen es zudem nicht immer leicht ist, eindeutige Antworten zu finden“ kritisierte der stellv. Parteivorsitzende der SPD.

Es braucht eine öffentliche Debatte

Wie verzahnt das Digitalisierungsthema ist, zeigte sich deutlich beim Thema des „autonomen Fahrens“. So stellte Thorsten Schäfer-Gümbel aus seiner Sicht klar, dass es zweckdienlicher sei, „die Möglichkeiten moderner Fahrassistenzsysteme auszureizen, bevor wir weiter – womöglich illusorische – Bilder von Autos zeichnen, die einem sämtliche Aufgaben abnehmen. Wir benötigen eine öffentliche Debatte über den Zusammenhang von Rechenmaschinen, menschlichen Fehlern, Humanität und Rechtsstaatlichkeit.“

Beide Podiumsgäste waren sich darüber einig, dass sich besonders ihre Partei mit der Frage auseinandersetzen muss, wie sozialdemokratische Politik in Zeiten des globalen Kapitalismus und den Veränderungen durch die Digitalisierung gestaltet werden kann, auch und gerade wegen der Geschwindigkeit der Veränderung.“

„Dem Anschein nach hat das Fernziel, die Vision, der Mut gefehlt, warum wir zurzeit als Partei dort stehen, wo wir stehen. Wir haben nicht genug klar gemacht, was unser Bild der Zukunft ist“ stellte Steffen Löhr am Ende der Veranstaltung kritisch fest. „Vielleicht wären die Vereinigten Staaten von Europa genauso eine Vision. Dafür möchte ich mich einsetzen, dafür möchte ich werben.“