Kreishandwerkerschaft kommt gut durch die Krise

Als die SPD-Bundestagsabgeordnete Nezahat Baradari Anfang des Jahres mit dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, Jürgen Haßler, und Kreishandwerksmeister Frank Clemens zusammengesessen und über die Entwicklung im Handwerk gesprochen hatte, sah alles noch nach einem sich positiv abzeichnenden Jahr aus.

„Doch dann schlug Corona ein, und das war die Stunde der Verbände und Innungen“, erinnert sich Jürgen Haßler. Die Politik habe sehr schnell, ruhig und besonnen reagiert, und dies habe dem kleinen und mittleren Gewerbe sehr geholfen. Und mit immer wieder neuen Erlassen habe sich der Informationsbedarf bei den Mitgliedsbetrieben gesteigert. Und da konnten Innungen und Verbände viel Hilfestellung geben, z. B. bei Fragen, wie sich ein Problem, wie z. B. Materialbestellung aus dem Ausland, auf einen Betrieb auswirkt.

Insgesamt sei man auch mit den getroffenen politischen Maßnahmen, wie Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen, bisher zufrieden: „Und das Handwerk hat viel Wertschätzung erfahren. Das Friseurhandwerk z. B. wird nun in einem völlig anderen Licht gesehen“, erklärte der Geschäftsführer Jürgen Haßler.

Das überwiegende Handwerk habe unter der Corona-Krise bisher nicht unmittelbar gelitten, vielmehr hätten beispielsweise Städte und Gemeinden in den Ferien viele Schulen und andere öffentliche Gebäude renovieren lassen. Umsatzeinbrüche habe es jedoch im Kfz-Handel und bei den Bäckereien gegeben.

Frank Clemens ergänzt: „Die Konjunktur war da, das Wetter war gut, fürs Handwerk hat es eigentlich gepasst. Jetzt gilt es, genügend junge Menschen fürs Handwerk zu begeistern und auszubilden.“

Nezahat Baradari machte jedoch wenig Hoffnung, dass die Pandemie absehbar vorbei sein werde. Und deshalb werde es auch weitere Konjunkturpakete geben. „Doch das“, so Frank Clemens, „wird nicht jedes Unternehmen retten können“.

Auf den Hinweis von Nezahat Baradari, für Auszubildende gäbe es entsprechende Zuschüsse, übte Jürgen Haßler die Kritik, dass sich diese Programme nur an Handwerker richten, die Corona-bedingt finanzielle Probleme hätten. „Wer seiner Ausbildungsverpflichtung nachkommt, aber nicht durch Kurzarbeit oder Umsatzeinbußen betroffen ist, bekommt nichts“, bemängelte Haßler.

Die Bundestagsabgeordnete hielt dagegen, man habe Firmen mit Problemen helfen wollen, die trotzdem weiter junge Leute ausbilden wollten.

Mit Blick in die Zukunft, vor allem bei der Digitalisierung in den Betrieben und Schaffung neuer Technologien, waren sich die drei Gesprächspartner einig, dass hier mehr Geldmittel in

Südwestfalen ankommen müssten. „Leider wird hier immer noch sehr viel Geld ins Revier gepumpt, obwohl Südwestfalen die drittstärkste Wirtschaftsregion in Deutschland ist“, stellte Baradari fest.