Nezahat Baradari MdB trifft Vertreter*innen der Friseurinnungen Südwestfalens

Das Friseurhandwerk befindet sich in einer nie dagewesenen Wirtschafts- und Existenzkrise. Auch wenn nun am 01. März 2021 die Salons wieder geöffnet werden dürfen, haben die zurückliegenden Monate der Schließungen ihre Spuren hinterlassen. Zudem sind die angekündigten staatlichen Hilfen nicht so geflossen wie angekündigt. Dies stellt viele Friseurbetriebe in Südwestfalen vor große Herausforderungen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Nezahat Baradari hat sich dieser Problematik angenommen und in einer Videokonferenz mit Vertretern des südwestfälischen Innungshandwerkes der Friseure thematisiert.

Einer Schätzung zufolge sind ca. 30 Prozent aller Friseurbetriebe von der Schließung bedroht, bei einer Branche von ca. 240.000 Menschen stehen hier sehr viele Existenzen auf dem Spiel. „Das ist eine starke psychische Belastung für die Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen der Branche“, warnt Achim Schilling, selbstständiger Friseurmeister und Obermeister der Friseur-Innung MK in Lüdenscheid. Davon sind auch die Auszubildenden betroffen. Für die Zeit des Lockdowns können sie ihr Handwerk weder ausüben noch erlernen. Ähnlich geht es den Angestellten. Niemand möchte hier von staatlichen Hilfen leben oder darauf angewiesen sein. Vielmehr geht es den Friseurinnen und Friseuren darum, schnell wieder an die Arbeit zu gehen.

90 Prozent der Friseursalons mussten die erhaltene Soforthilfe des letzten Lockdowns zurückzahlen, da sie in der Zeit zuvor besonders viele Kunden vorsorglich bedient hatten. „Die Überbrückungshilfe ist leider nicht die erhoffte Brücke über den Lockdown“, erklärt Dirk H. Jedan, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MK und Geschäftsführer der Friseur-Innung MK. Zudem wurden die November- und Dezemberhilfen bislang noch immer nicht an die Friseurinnen und Friseure ausgezahlt.

Dabei fällt das Friseurhandwerk durch gute Hygienekonzepte auf, stellte Nezahat Baradari fest. Achim Schilling wies darauf hin, dass nur 12 bekannte Ansteckungen laut Berufsgenossenschaft durch das Virus bundesweit in Friseursalons nachgewiesen wurden. Den Beschäftigten obliegt hier eine besondere Hygieneverantwortung, da sie nah an den Kundinnen und Kunden arbeiten.

„Die Zahlen sprechen für sich und ich kann Ihre Enttäuschung nachvollziehen“, entgegnet die Bundestagsabgeordnete. Die Selbstständigen tragen dabei die Sorgen Ihrer Mitarbeiter*innen und Auszubildenden ebenso mit sich, wie ihre eigenen.

Durch einen langen Lockdown erwächst zudem die Gefahr, dass Schwarzarbeit floriert. Das gefährdet wiederum die Perspektive nach dem Lockdown, da die Nachfrage zurückgeht. „Schwarzarbeit darf nicht als Kavaliersdelikt abgetan werden“, fordert daher Werner Reuther, selbstständiger Friseurmeister und Obermeister der Friseur-Innung Arnsberg.

Nur eine Impfung bietet auf lange Sicht Entspannung, allerdings sind die Angestellten jung und gesund und zählen damit zu den Gruppen, die erst später geimpft werden. Hoffnung auf eine schnelle Besserung besteht bei den Friseurinnen und Friseuren nach den neuesten Beschlüssen der Regierungschef*innen mit der Bundeskanzlerin.

„Leider fehlt auch hier die langfristige Strategie aus dem Gesundheitsministerium“, kritisiert Nezahat Baradari. Auf kurze Sicht bieten nur „breit angebotene Tests und eine breit angelegte Impfkampagne für die Bevölkerung“ Perspektiven für Lockerungen, ergänzte die Abgeordnete. Die Abstands- und Hygieneregeln müssten noch lange Zeit eingehalten werden, bis eine Herdenimmunität erreicht worden ist. „Immerhin ist es ab jetzt möglich, die Überbrückungshilfe III zu beantragen. Die Bundesregierung muss endlich das Geld fließen lassen, da die Kleinbetriebe sonst vor die Hunde gehen“, zeigte sich die Abgeordnete verärgert.